Erinnerung    
     
Wir möchten hiermit an Auguste, Moritz und Ludwig Goldberger und deren Schicksal erinnern, die als Mieter an verschiedenen Adressen in der Mainzer Straße lebten.

Auguste Goldberger, geborene Rohrheimer wurde am 18.03.1889 geboren, wurde 1940 von Darmstadt aus ins Konzentrationslager Ravensbrück deportiert und am 07.03.1942 in der Tötungsanstalt Bernburg an der Saale ermordet. Ihr Ehemann Moritz Goldberger wurde am 05.08.1878 geboren, wurde 1940 von Darmstadt aus ins Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert und am 22.08.1940 dort ermordet. Der Sohn Ludwig Goldberger wurde am 01.08.1919 geboren. Er wurde 1938 nach Buchenwald deportiert, Flucht über Süd-Osteuropa nach Italien. Dolmetscher in der englischen Armee. Er kehrte als einer der wenigen Juden (wir erinnern hier auch an die jüdischen Familien und Einwohner: Simon, Blatt und Markus, Nachkommen von einer Familie leben noch heute in Groß-Gerau) nach Groß-Gerau zurück. Ludwig Goldberger heiratete hier seine Ehefrau Anna, die mit Ihm zusammen den jüdischen Friedhof pflegte und mit der er gemeinsame Kinder hatte. Ludwig Goldberger verstarb am 02.01.96 und wurde auf dem jüdischen Friedhof in Groß-Gerau beerdigt.


Wir, die heutigen Bewohner der Mainzer Straße 29, meine Familie und ich gedenken an die Familie Moritz Goldberger und nehmen Anteil an deren Schicksal. Wir gedenken an die mir persönlich bekannte Familie Ludwig Goldberger, erinnere mich an nette Gespräche mit Anna Goldberger die am 31.05.2003 verstorben ist. Wir möchten alle auffordern, diese unvorstellbaren Taten nicht zu vergessen, daraus zu lernen und das Gute im Herzen zu tragen und anzuwenden.

Werner Strauch

Hinweise:

In der Adressenliste der Stadt Groß-Gerau von 1926* wird die Familie Goldberger in der Mainzer Straße Nr. 20 (heutige Hausnummer 18) angegeben und Moritz Goldberger als Händler bezeichnet. In der Adressenliste der Stadt Groß-Gerau von 1931* wird der Händler Moritz Goldberger und seine Familie in der Mainzer Straße Nr. 31 (heutige Hausnummer 29, damaliger Eigentümer war die Familie Sperling) genannt. In der Adressenliste der Stadt Groß-Gerau von 1939* wird Moritz Goldberger als Bäcker bezeichnet und wohnte mit seiner Familie in der Mainzer Straße Nr. 24 (heutige Hausnummer 22, damaliger Eigentümer war der ledige Landwirt Engeroff). Diese Wohnanschrift wird ebenfalls durch die Mitgliederliste der israelitischen Gemeinde vom 24.10.1938** bestätigt.

Nach eigenen Recherchen und Nachfragen bei Nachkommen der damaligen Eigentümer und heute noch lebenden Zeitzeugen in der Mainzer Straße wurden diese Angaben ebenfalls bestätigt.

Groß-Gerau, den 30.05.2014:
Zur Erinnerung an die Familie Goldberger wurden an diesem Tag vor dem Haus der heutigen Mainzer Straße 22 vier Stolpersteine durch Herrn Gunter Demnig verlegt.

 

*) Eingesehen im Stadtmuseum am 08.12.09 zusammen mit Herrn Jürgen Ziegler unter freundlicher Genehmigung vom Museumsleiter Herrn Volkmann  
**) Abgedruckt in „Juden in Groß-Gerau“ von Jürgen Ziegler und Hans-Georg Vorndran. Herausgeber: Evangelisches Dekanat Groß-Gerau